Die Medientage Mitteldeutschland leben vom Gespräch – und genau das haben wir wortwörtlich genommen. Als Partnerin der Medientage Mitteldeutschland 2026 brachten wir das Publikum an einen großen Tisch: Nach einem kurzen Expert:innenfachinput haben wir dem Raum viel Zeit für Austausch gegeben – für fachliche Fragen, inhaltliche Perspektiven, für Gespräche, die Ambivalenz aushalten und zulassen. Denn wir glauben: Die besten Ideen entstehen nicht auf einer Bühne, sondern gemeinsam an einem Tisch.
Die Medientage Mitteldeutschland (MTM) sind das zentrale Branchenevent in Mitteldeutschland. Jedes Jahr kommen hier Entscheider:innen zusammen, um über digitale Transformation und gesellschaftliche Verantwortung zu diskutieren. Als Digitalagentur für Medien begleiten wir diesen Wandel aktiv und setzen Impulse für einen Journalismus, der technologisch und menschlich relevant bleibt.
Die Die Abhängigkeit von Plattformen, sinkende Loyalität, Geschäftsmodelle unter Druck: Wer in einem Medienhaus Entscheidungen trifft, kennt diese Themen.
Was beim ida Open Media Table auf den #MTM26 zur Sprache kam, waren keine neuen Diagnosen, sondern konkrete Antworten auf die Frage, wie es anders gehen kann.
Kommentarspalten sind für viele Redaktionen ein ungelöstes Problem: zu laut, zu giftig, zu aufwendig in der Moderation. Die naheliegende Lösung ist Abschalten. DER SPIEGEL hat sich für das Gegenteil entschieden. Mit SPIEGEL Debatte hat das Haus Beteiligung neu gedacht – nicht als Risiko, das man verwaltet, sondern als redaktionelle Aufgabe, die man gestaltet. Dr. Laura Badura berichtete bei unserem MTM-Open Media Table aus dem Relaunch: was funktioniert hat, was nicht, und was es braucht, damit aus einem anonymen Publikum eine erkennbare Community wird.
Die entscheidende Frage für jedes Medienhaus: Kommentare, Newsletter-Antworten, Events: Wo erlaubt ihr eurem Publikum heute, mehr zu sein als reine Empfänger – und was macht ihr mit dem, was dabei entsteht?
Reichweite ist eine bequeme Kennzahl. Sie ist leicht zu messen, leicht zu kommunizieren – und sie sagt wenig darüber aus, ob ein Medienhaus wirklich relevant ist für die Menschen, die es erreicht. Lennart Schneider, Loyalisierungsexperte und Host des Podcasts Subscribe Now, zeigte auf den Medientagen Mitteldeutschland, welche Kennzahlen stattdessen Orientierung geben: CURR, LTV/CAC und der RFV-Score der Financial Times – Metriken, die abbilden, wie tief und wie regelmäßig Leser:innen wirklich einsteigen. Der eigentliche Punkt dahinter ist kein technischer, sondern ein strategischer: Wer Loyalität als Ziel definiert, braucht andere Fragen – und eine andere Redaktionskultur. Diese und weitere Gedanken, lassen sich übrigens auch in unseren Medien-Prognosen 2026 nachlesen; neben anderen klugen Köpfen hat auch Lennart Schneider eine Prognose verfasst.
Die entscheidende Frage: Welche Kennzahl treibt bei euch gerade die Entscheidungen – und was bildet sie tatsächlich ab?
Während Medienhäuser für Reichweite auf Plattformen kämpfen, die ihre eigenen Regeln schreiben, arbeiten Christine Liehr und Sylvie Kürsten (Headliner gUG) an einem anderen Weg: Live-Journalismus auf der Bühne. Mit ihrem Format JIVE bringen sie Reporter:innen und ihre Recherchen direkt vor Publikum – mit Musik, Licht und echter Präsenz. Was dabei entsteht, ist keine Veranstaltungsreihe als Marketinginstrument, sondern ein eigenständiges journalistisches Produkt. Die These auf den Medientagen Mitteldeutschland war so schlicht wie konsequent: Vertrauen entsteht durch Erlebnis. Und das lässt sich nicht algorithmisch skalieren – aber es lässt sich aufbauen.
Die entscheidende Frage: Welche Formate nutzt ihr, um Journalismus erlebbar zu machen und welche davon gehören euch wirklich – unabhängig von Plattformen, die ihre Regeln jederzeit ändern können?
Moritz Klein hat seine Session nicht als Pitch angelegt. Er hat gefragt: Was wünscht ihr euch von einem neuen Medienangebot? Was habt ihr bisher nicht bekommen? Diese Haltung ist kein Stilmittel, sondern Grundlage seines Gründungsvorhabens: gemeinsam mit dem dänischen Magazin Zetland und weiteren Co-Foundern baut Klein an einem neuen Medien-Startup in Deutschland – einem, das Journalismus nicht als Informationslieferant begreift, sondern als Produkt, das sich daran messen lassen muss, welchen Nutzen es im Alltag seiner Leser:innen stiftet. Was das für bestehende Medienhäuser bedeutet: Nutzerverstehen als echte Redaktionsaufgabe, nicht als Marktforschungs-Anhängsel. Und die Bereitschaft, früh anzufangen – auch wenn das Produkt noch nicht fertig ist.
Die entscheidende Frage: Wann habt ihr euer Publikum zuletzt direkt gefragt, was es von euch braucht – und wie radikal hat das eure redaktionellen Entscheidungen beeinflusst?